Human-Centered Artificial Intelligence

Human-Centered Artificial Intelligence

Junges Kolleg der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

Human-Centered Artificial Intelligence ist ein interdisziplinärer Ansatz um künstliche Intelligenz als Werkzeug für eine bessere Mensch-Maschine-Interaktion zu nutzen. Basierend auf Ergebnissen der Psychologie und Biologie verallgemeinert er klassiche Techniken der künstlichen Intelligenz, sodass sie besser für Menschen verständlich sind und eine natürliche Interaktion zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz erlauben.

Prinzipien
Propose Illustration von Entscheidungsalternativen
Entscheidungen von Menschen wie Maschinen beruhen auf Alternativen. Im Gegensatz zu gängigen KI-Verfahren sind die Alternativen in meinem Algorithmus nicht vordefiniert, sondern werden im Entscheidungsprozess dynamisch erarbeitet.
Evaluate Illustration der Evaluation von Entscheidungsalternativen
Alternativen werden in meinem Modell von unabhängigen Evaluationsprozessen bewertet. Diese repräsentieren verschiedene Gesichtspunkte der Lösungsqualität und können sich widersprechen.
Focus Illustration der Konsolidierung und Fokusierung auf die beste Entscheidungsalternative
Bei gängigen KI-Verfahren werden verschieden Evaluationsaspekte durch gewichtete Summen in einen Wert verrechnet. Die Ergebnisse sind meist unintuitiv, da Menschen bei ihren Entscheidungen keine gewichteten Summen bilden, was durch empirische Studien nachgewiesen ist. Mein Verfahren imitiert menschliche Heuristiken mit Methoden der Sozialwahltheorie.
Iterate Illustration der Iteration zwischen Alternativengenerierung, Evaluation und Fokussierung
Durch wiederholtes Generieren bzw. Adaptieren von Alternativen, Evaluieren und Fokussieren, wird die Lösung schrittweise bestimmt. Das Verfahren kann vollautomatisch ablaufen oder in einem kollaborativen Prozess mit Menschen.
Forschungsmethode

Wissenschaft ist ein iterativer Prozess von Beobachten und Theoriebildung. Genau so habe ich meinen Algorithmus entwickelt und genau so kann er für konkrete Fragestellungen genutzt werden. Durch das Protoyping von Anwendungsfällen bekommt man schnell ein Gefühl dafür was gut funktioniert und wo Verbesserungsbedarf besteht.

In dem Ansatz geht es nicht darum, eine Speziallösung für ein spezifisches Problem zu entwickeln, sondern einen allgemeinen Mechanismus, der auf viele verschiedene Aufgabenstellungen übertragbar ist. Deshalb ist das Verfahren an zwei sehr unterschiedlichen Aufgaben entwickelt worden: dem Traveling Salesperson Problem (einem Problem aus der theoretischen Informatik, das in vielen realen Aufgaben in abgewandelter Form vorkommt) und der Navigation von autonomen Robotern (d.h. der Roboter hat die Aufgabe einen Zielpunkt zu erreichen und muss dafür den nächsten Befehl an seine Räder schicken).

Ansichten der verschiedenen Abstraktionsstufen bei der Roboternavigation

Das Verfahren eignet sich vor allem für Beinahe-Optimierungsprobleme, also Aufgaben, die sich nicht vollständig formalisieren lassen, die jedoch zu unübersichtlich sind um von Menschen ohne technische Unterstützung gelöst zu werden, z.B.

  • Erstellung von Produktionsplänen
  • Kategorisierung von Produktgruppen
  • Planung von Verkaufsniederlassungen
  • Bildung von (Kunden-)Kohorten
  • Wartung komplexer IT-Systeme

Im Gegensatz zu klassischen Optimierungsverfahren zeichnet sich mein Ansatz aus durch

  • hohe Nutzerakzeptanz
  • Robustheit
  • Verständlichkeit

Veröffentlichungen
Alexandra Kirsch. A Unifying Computational Model of Decision Making. Cognitive Processing, 20(2), pp. 243 – 259, 2019. [pdf from HAL]
Alexandra Kirsch. Lessons from Human Problem Solving for Cognitive Systems Research. Advances in Cognitive Systems, 5, pp. 13 – 24, 2017.
Alexandra Kirsch. A Modular Approach of Decision-Making in the Context of Robot Navigation in Domestic Environments. In: 3rd Global Conference on Artificial Intelligence (GCAI), pp. 134 – 147. Miami, Fl., USA, 2017. [pdf from HAL]
Alexandra Kirsch. Heuristic Decision-Making for Human-aware Navigation in Domestic Environments. In: 2nd Global Conference on Artificial Intelligence (GCAI), pp. 200 – 213. Berlin, Germany, 2016. [pdf from HAL]
Tim Rach, Alexandra Kirsch. Modelling human problem solving with data from an online game. Cognitive Processing, 17(4), pp. 415 – 428, 2016. [pdf from HAL]
Alexandra Kirsch. Heuristic Problem Solving with Abstract Knowledge in the Context of the Travelling Salesperson Problem. 2014. (unpublished article) [pdf from HAL]
Alexandra Kirsch. Hierarchical Knowledge for Heuristic Problem Solving — A Case Study on the Traveling Salesperson Problem. In: First Annual Conference on Advances in Cognitive Systems (ACS). 2012. [pdf from HAL]
Alexandra Kirsch. Humanlike Problem Solving in the Context of the Traveling Salesperson Problem. In: AAAI Fall Symposium on Advances in Cognitive Systems. AAAI Press, 2011. [pdf from HAL]